Der kleine Korea Knigge

Der kleine Korea Knigge

Einführung in die Koreanische Kultur.

So umschiffst du die größten Fettnäpfchen!

Bei einem Aufenthalt wird man immer wieder Situationen erleben, die aus der eigenen Sicht zunächst paradox erscheinen, oder auf Reaktionen treffen, die völlig unerwartet entstehen. Im Nachhinein fragt man sich oft, was man wohl falsch gemacht haben mag. Der Grund für solche Missverständnisse findet sich häufig in den unterschiedlichen kulturellen Eigenschaften, die zwischen der koreanischen und der deutschen Kultur bestehen. Um das abstrakte Konzept von Kultur greifbar zu machen, möchte ich hier auf das beliebte Bildnis des Eisbergs verweisen.

Der Großteil eines Eisbergs liegt unterhalb der Wasseroberfläche – man sieht also nur die viel zitierte „Spitze des Eisbergs“. Ähnlich ist es auch mit der Kultur im Allgemeinen. Besonders als Deutscher in Korea gibt es viele Situation, in denen man lediglich das Verhalten beobachten kann, dessen Gründe jedoch zunächst rätselhaft erscheinen. Die Gründe liegen nämlich in den unterschwelligen Werten, Normen oder Einstellungen, die besonders in einer Kultur eine große Rolle spielen. Doch was kann man tun, um Land und Leute besser zu verstehen und vor allem nicht unwissentlich in Fettnäpfchen zu treten?

Zum einen kann man sich vorbereiten, indem man dieses Kapitel im Ratgeber Studieren in Korea liest. Im Folgenden werden die wichtigsten Eigenschaften, Normen und Werte der koreanischen Kultur erklärt und an alltäglichen Situationen beschrieben. Zusätzlich kann man aber noch Bücher kaufen oder besondere Kurse besuchen, die einen auf die kulturellen Unterschiede vorbereiten wollen. Vor Ort kann es außerdem nicht schaden, wenn man einen Vertrauten findet, der offen über die Hintergründe von den für uns suspekten Situationen und Handlungen spricht und somit als „kultureller Übersetzer“ dient. Diese Person ist idealerweise Koreaner oder jemand, der bereits seit einiger Zeit in Korea lebt.

Was zeichnet die koreanische Kultur aus?

Die koreanische Kultur ist besonders durch ihren kollektivistischen Charakter geprägt. Auf Zugehörigkeit in einer Gruppe wird also mehr Wert gelegt, als seine Individualität zu unterstreichen. Diese Gruppenzugehörigkeit kann in verschiedensten Formen auftreten und wird in Gesprächen zwischen Koreanern schnell versucht herauszufinden. So wird stets nach dem gleichen gemeinsamen Nenner gesucht, sei dies der gemeinsame Nachname, der gleiche Geburtsort, Jahrgang, Universitätsabschluss etc. Mit der Zugehörigkeit zum Kollektiv gehen auch spezielle Normen und Werte einher, denen sich in Korea gerne unterworfen wird. Kollektivistische Kulturen empfinden es zudem nicht als negativ oder beengend, wenn sie sich diesen Normen unterwerfen – im Gegenteil, es gibt den Mitgliedern der Gruppe Sicherheit und Halt.

Viele Normen und Werte in der koreanischen Kultur haben ihren Ursprung in den Lehren Konfuzius (551–479 v. Chr.). Zusammen mit den Lehren des chinesischen Philosophen Zhu Xi und vermischt mit buddhistischen Elementen nach Menzius entstand der sogenannte Neukonfuzianismus, der das alltägliche Leben in Korea noch heute prägt. Der Grundstein dieser Strömungen bildet das Idealbild einer harmonischen Gesellschaft. Um diese Harmonie zu erreichen, muss das Zusammenleben fest geregelt sein – was sich besonders in Hierarchie und Ordnung widerspiegelt. Detaillierte Beschreibungen dieser Hierarchien und Ordnungen in der Koreanischen Gesellschaft und dessen mögliche Auswirkungen für einen Studenten werden im Ratgeber Studieren in Korea bechrieben.

Die richtigen Manieren zu Tisch.

Vor allem beim gemeinsamen Essen werden kulturelle Unterschiede besonders deutlich. Daher werden in den folgenden Absätzen die wichtigsten Fettnäpfchen herausgestellt, die es zu umschiffen gilt. Grundsätzlich gilt: Eine Einladung zu einem Essen sollte niemals abgelehnt werden, denn das allein gilt schon als grob unhöflich. Die Sitzordnung ist meist durch zwei Grundregeln festgelegt. Der Ranghöchste sitzt mit dem Gesicht zur Tür, also somit am weitesten von der Tür entfernt. Dementsprechend sitzt der Jüngste mit dem Rücken und hat somit die kürzeste Entfernung zum Tor.

Gegessen wird in Korea natürlich mit Stäbchen. Diese sind jedoch dünner, als man es aus einem gewöhnlichen Chinarestaurant gewöhnt ist. Neben Stäbchen gehört ein Löffel zur typischen Grundausstattung eines koreanischen Essens. Der Löffel sollte aber nur für die obligatorische Suppe genutzt werden und nicht für nachfolgende Gänge. Grundsätzlich gilt: Das, was man mit den Stäbchen berührt hat, muss auch gegessen werden.

Ein weiteres No-Go ist das Einschenken von Getränken in das eigene Glas. Das gilt besonders in der kollektivistischen Kultur als besonders egoistisch. Was also tun, wenn man selbst ein leeres Glas hat und etwas trinken möchte? In diesem Fall kann man entweder abwarten, bis einer der Sitznachbarn von selbst auf das Problem aufmerksam wird, oder man schenkt ganz bewusst beiden Sitznachbarn etwas in ihr Glas ein. In der Regel sollte das reichen, um möglichst unaufgeregt und dezent auf den Flüssigkeitsnotstand hinzuweisen. Beim Einschenken sollte man außerdem darauf achten, dass die rechte Hand die Flasche hält und die linke Hand das Handgelenk der rechten Hand unterstützt, denn das gilt als besonders höflich. Weitere nützliche Hinweise zu Regeln guter koreanischer Tischmanieren befinden sich im Ratgeber Studieren in Korea.

Fettnäpfchen lauern überall.

Ein viel zitiertes Beispiel ist der Austausch von Visitenkarten. Hier ist es wichtig, Visitenkarten immer mit beiden Händen anzunehmen bzw. zu übergeben. Außerdem ist ein respektvoller Umgang mit der fremden Visitenkarte ratsam. Dies beinhaltet beispielsweise, dass Stellung und Firma genügend Aufmerksamkeit geschenkt werden, indem man sie etwa laut vorliest und interessierte Fragen dazu stellt. Natürlich sollte man Visitenkarten weder falten noch darauf schreiben.

Bei der offiziellen Anrede sollte meist der Titel und der Nachname genannt werden. Weniger Wert wird auf Vornamen gelegt. Daher sollte man es möglichst vermeiden, nur den Vornamen zu nennen. Bei der Begrüßung ist es wichtig, jeden Anwesenden persönlich zu begrüßen und am Ende auch persönlich zu verabschieden. Man sollte sich also bei Begrüßung und Verabschiedung Zeit nehmen, um den Anwesenden auch genügend Respekt entgegenzubringen. Ebenfalls wichtig ist die Verbeugung. Hierbei sollte man beide Beine zusammennehmen, die Arme an den Körper legen und sich aus der Hüfte (nicht zu hastig!) heraus nach vorne beugen. Die ungeschriebene Regel besagt hier, dass der Untergebene sich tiefer verbeugt als derjenige, der höher gestellt ist.

Im Alltag sollte man darauf achten, nie den Zeigefinger zu erheben, um damit beispielsweise Taxis anzuhalten, oder mit dem Finger auf jemanden zu zeigen. Kurzum – der Einsatz des erhobenen Zeigefingers gilt als grob unhöflich.

Es gibt eine ganze Menge an Fettnäpfchen die es während eines Studiums in Südkorea zu umschiffen gillt. Die gute Nachricht ist hierbei, dass man die meisten Fettnäpfchen mit einer guten Vorbereitung vermeiden kann. Der Ratgeber Studieren in Korea bietet eine gute Basis für solch eine gute Vorbereitung. Außerdem beleuchtet der Fettnäpfchenführer Korea die größten Fauxpas in informativen Kurzgeschichten und erklärt, wie man diese am besten umschifft.

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